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Im Herzen der Landschaft Westhoek hat sich IFFM zu jeder Zeit vom Bewusstsein inspirieren und leiten lassen, ein Bewacher des alten Schlachtfelds zu sein. Somit wuchs die Perspektive, für dieses ehemalige Kriegsgebiet ein umfassendes Register der Opfer zu erstellen, also eine Liste, auf der sowohl Zivilisten als auch Militärangehörige ungeachtet ihrer Nationalität verzeichnet sind. Dies betrifft Angehörige damals befreundeter und verfeindeter Nationen sowie Belgier, die im eigenen Land oder außerhalb ihrer Heimat ums Leben kamen, und Nicht-Belgier, die in unserem Land ihr Leben ließen oder verwundet wurden, um später anderswo zu sterben.

Den Krieg und seine Opfer in Erinnerung zu bringen und zu halten, ist an sich nichts Neues. Schon während des Krieges, in jedem Fall aber nach dessen Ende, wurde den Opfern gedacht. Auffallend dabei ist allerdings, dass die Opfer selten oder nie genug an dieser einen Identität – Opfer zu sein – hatten, damit ihnen gedacht wurde. Um in der Öffentlichkeit anerkannt zu werden, musste vor allem auch eine andere Identität nachweisbar sein. Im kollektiven Gedächtnis erhielten die Toten nur dann einen Platz, wenn sie einer bestimmten Gruppe angehörten: Fußballclubs und Firmen, Schulen und Eisenbahngesellschaften, einzelne Dörfer und ganze Nationen setzten sich dafür ein, um die Liste ihrer Opfer zusammenzustellen. Jedes Totenregister sollte sich deshalb jeweils auf eine Liste der ‘eigenen’ Namen, also eine Liste Onze Makkers, Nos Enfants, Our Heroes, oder Unsere Toten beschränken. Selbst mit den besten Absichten unterstrich das öffentliche Gedenken dadurch die Logik eines unüberwindlich gebliebenen Wir-Sie-Denkens. Dies erfolgte vielleicht unbewusst. Doch nachträglich wurde die Liste der Namen der eigenen Toten auch absichtlich als eine starke und messerscharfe Waffe gegen neue Feinde eingesetzt.

Das Jahrhundertgedenken an den Ersten Weltkrieg ist auch eine gute Gelegenheit, an das vergangene Jahrhundert zu erinnern. Dieses Land war einst das Schlachtfeld für fast die ganze Welt: Hier kreuzten sich die Kriegspfade von Menschen aus fast 50 verschiedenen Nationalitäten aus fünf verschiedenen Kontinenten. Nach der Uneinigkeit, die sie einst nach hier führte oder die sie hier vorfanden, werden die Opfer letztendlich und zu jeder Zeit ein Schicksal miteinander teilen: dass sie alle den Tod fanden: hier, in dieser Straße, in diesem Dorf, auf diesem alten, aber nachweislichen Schlachtfeld. Hundert Jahre danach und im heutigen Zusammenhang haben alle, die dieses Schicksal erfuhren, das Recht, heute in unserer Mitte beim Namen genannt und in das Gedenken zurückgerufen zu werden.

Aus diesem Grund erhält “Die Liste der Namen” einen zentralen Platz im IFFM und in GONE WEST, dem Erinnerungsprogramm der Jahre 2014-2018 in der Provinz Westflandern.

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