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…and to those North Sea waves whispering sunken stories

Sammy Baloji

  • Dauerausstellungshalle
  • Artist in Residence

darüber

Sammy Baloji wurde 1978 in Lubumbashi, Kongo, geboren und lebt seit 2006 abwechselnd in Lubumbashi und Brüssel. Er erforscht die Erinnerungen und die Geschichte seines Heimatlandes. Seine Arbeit ist eine fortlaufende Untersuchung des kulturellen, architektonischen und industriellen Erbes von Katanga sowie eine Hinterfragung der Auswirkungen der belgischen Kolonialisierung. Seine Videoarbeiten, Installationen und fotografischen Serien beleuchten die Art und Weise, wie Identitäten geformt, transformiert, pervertiert und neu erfunden werden. Baloji hat zuvor unter anderem im Musée du Quai Branly, MuZee, dem AfricaMuseum und dem Grand Palais ausgestellt und war Teil der belgischen Auswahl für die Biennale 2016 in Venedig. Kürzlich wurde ein Werk von ihm von der Tate erworben. 

Im Rahmen seiner Residenz im In Flanders Fields Museum erforscht Sammy Baloji die subtilen, aber komplexen Verbindungen zwischen seinem Heimatland Kongo und dem ehemaligen Kolonialherrn Belgien. Durch das Prisma des Ersten Weltkriegs bietet der Künstler einen Blick darauf, wie die Kolonie nicht nur für Europas Kriegsanstrengungen unverzichtbar war, sondern auch für seine Ansprüche auf globale Vorherrschaft, den Kapitalismus und die Verantwortung für die aktuelle Klimakrise. Die Installation im In Flanders Fields Museum besteht aus Bild, Skulptur und Ton und stellt unterschiedliche Visionen - sowohl luftige als auch horizontale, westliche und indigene - nebeneinander, um zu erforschen, was sie miteinander verbindet. Während die Bilder den Einfluss des Menschen auf die Natur zeigen, von Schützengräben über Bomben- und Minenkrater bis hin zu verwundeten Bäumen, lädt der Künstler sein Publikum ein, über die aktuelle Zeit mit ihren Wurzeln im Imperialismus und Kolonialismus nachzudenken. Das Herzstück der Installation ist ein Gewächshaus, eine moderne Version der 'Wardian case', mit der in der Kolonialzeit lebende Pflanzmaterialien nach Europa transportiert wurden. Für Sammy Baloji ist es eine Metapher für die Art und Weise, wie die Männer aus den Kolonien im Krieg in Europa eingesetzt wurden. Einer von ihnen war Albert Kudjabo, ein Kongolese, der vier Jahre in deutscher Kriegsgefangenschaft war. Wir hören ihn auf einer Tonaufnahme, die von deutschen Wissenschaftlern im März 1917 gemacht wurde. 

Der Residenz im In Flanders Fields Museum ist Teil eines größeren Projekts, in dem Sammy Baloji über den Ersten Weltkrieg reflektiert. Im Rahmen der Ausstellung Congoville im Museum Middelheim in Antwerpen (29. Mai - 3. Oktober 2021) hat er eine Installation aufgegriffen, in der gravierte Patronenhülsen aus dem Ersten Weltkrieg mit Pflanzen aus dem Kongo gefüllt werden.

Ein Echo der Ypern-Installation hat Sammy Baloji für die Beaufort 21 Triennale geschaffen: auch vor dem ehemaligen Palace Hotel in Zeebrugge wurde ein geschlossenes Gewächshaus installiert. Der Ort ist nicht zufällig: Nicht nur während des Ersten Weltkriegs beherbergte das Gebäude die deutschen Truppen, die den Hafen von Zeebrugge bewachten, sondern nach dem Krieg bot es britischen Touristen auf dem Weg nach Ypern Unterkunft. Und ein paar Kilometer weiter unten im Meer, auf der Sandbank De Paardenmarkt, ruhten Dutzende von Tonnen chemischer Munition aus demselben Krieg. Das Kupfer dieser Granaten kam oft aus dem Kongo... Für diese Residenz arbeitet das In Flanders Fields Museum daher eng mit Beaufort 21 zusammen.  

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